Gebärmutterhalskrebs
Frühzeitige Aufklärung ist die Basis für optimale Vorbeugung
(Marburg/Tübingen, 25. Juni 2008) Etwa 6.200 Frauen erkranken in Deutschland jährlich nach den aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Gesellschaft der epidemio-logischen Krebsregister in Deutschland e.V. an Gebärmutterhalskrebs. Rund 1.700 Frauen sterben jährlich an den Folgen. Und dies, obwohl bei keiner anderen Krebsart die Heilungs-chancen bei frühzeitiger Erkennung so hoch sind wie bei Gebärmutterhalskrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 51 Jahren, und damit 18 Jahre früher als bei anderen Krebsarten. Der Grundstein für eine mögliche Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs wird bereits im jugendlichen Alter mit Beginn der sexuell aktiven Phase gelegt. Eine frühzeitige Aufklärung und Beratung durch den Frauenarzt ist daher enorm wichtig für eine wirkungsvolle Vorbeugung und frühzeitige Erkennung der Erkrankung.
Auslöser der Krebsart sind bestimmte Typen Humaner Papillomviren (HPV). Sie werden in der Regel durch sexuellen Kontakt schon in jungen Jahren übertragen. Sieben bis acht von zehn Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. In den meisten Fällen wird die Infektion erfolgreich vom Immunsystem bekämpft. Lang anhaltende Infektionen vor allem mit den so genannten Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 können jedoch über Vorstufen zu Gebärmutterhalskrebs führen. Diese Vorstufen kann der Frauenarzt bereits frühzeitig erkennen und in einem kleinen Eingriff dauerhaft entfernen, vorausgesetzt, die Vorsorgeuntersuchungen werden regelmäßig wahrgenommen. Diese sind im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms für alle Frauen ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich kostenfrei. Aber nur jede zweite Frau nutzt diese Chance. „Durch eine höhere Teilnahmerate an der Vorsorgeuntersuchung wird die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle weiter gesenkt werden. Umso wichtiger ist die frühzeitige Aufklärung über Gebärmutterhalskrebs, insbesondere über die Früherkennungs- und Vorbeugungsmaßnahmen, um die Motivation der Frauen zur Teilnahme an den kostenlosen jährlichen Früherkennungsuntersuchungen zu erhöhen“, sagt Dr. Manfred Steiner, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte Baden-Württemberg und Mitglied der Projektgruppe ZERVITA. Bei der Früherkennungsuntersuchung entnimmt der Frauenarzt je einen Zellabstrich vom Muttermund und aus dem Gebärmutterhalskanal, den so genannten Pap-Abstrich. Die Zellen werden mikroskopisch auf mögliche Veränderungen oder Krebsvorstufen hin untersucht. Seit der Einführung des gesetzlichen Früherkennungs-programms 1971 konnte die Rate an Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen in Deutschland um mehr als zwei Drittel gesenkt werden.
Zusätzlich bietet die seit Oktober 2006 verfügbare HPV-Impfung einen vorbeugenden Schutz gegen die häufigsten Hochrisikotypen Humaner Papillomviren (Typ 16 und 18). „Dennoch besteht auch für geimpfte Frauen weiter ein Erkrankungsrisiko, weil 30 Prozent der Gebärmutterhalskrebserkrankungen von HPV-Typen verursacht werden, gegen die die Impfung nicht wirksam ist. Die Teilnahme an der jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung ist auch für geimpfte Frauen deshalb von größter Wichtigkeit“, erklärt der Tübinger Virologe Prof. Thomas Iftner, Sprecher der Projektgruppe ZERVITA. Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt die Impfung für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren.
Zur optimalen Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs ergänzen sich die Impfung, die regelmäßige Teilnahme am Krebsfrüherkennungsprogramm und die kontinuierliche Betreuung durch den Frauenarzt. Der Beratung durch den Frauenarzt kommt in der Vorsorge eine zentrale Bedeutung zu. Er ist für alle Bereiche der Frauengesundheit zuständig, betreut und versorgt seine Patientinnen in ihrer medizinischen, psychischen und sozialen Gesamtheit. „Die Aufklärung und Beratung junger Mädchen bedarf einer besonderen Sensibilität. Mittlerweile bieten viele Frauenärzte in Deutschland eine spezielle Mädchensprechstunde für die besonderen Belange der Heranwachsenden an, in der auch auf die Fragen zu Vorbeugung und Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eingegangen wird“, so Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte Rheinland-Pfalz und Mitglied der Projektgruppe ZERVITA. Auch Kinder- und Allgemeinärzte haben in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufklärungs- und Beratungsfunktion.
Zielgruppengerecht aufgearbeitete Informationen zu allen Fragen, die Mädchen in der Pubertät bewegen, bietet ergänzend zum ärztlichen Aufklärungs- und Beratungsangebot das erweiterte ZERVITA-Internetportal www.zervita-girl.de. Mädchen können sich dort ungezwungen über ihren Körper, Liebe, Sexualität, den ersten Besuch beim Frauenarzt und die HPV-Impfung informieren. Informationen über den gesamten Themenkomplex Gebärmutterhalskrebs – Früherkennung, Prävention und Therapie sind online unter www.zervita.de abrufbar.
Für individuelle Informationen zu Gebärmutterhalskrebs steht als ZERVITA-Projektpartner der Krebsinformationsdienst KID unter der kostenfreien Rufnummer 0800-420 30 40 täglich von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung. Auch per E-Mail können Anfragen an den KID gerichtet werden: krebsinformationsdienst@dkfz.de
Weiterführende Informationen über die ZERVITA-Pressestelle im Deutschen Grünen Kreuz e. V. Dort ist auch der kostenfreie ZERVITA-Informationsflyer gegen Portoerstattung erhältlich. (E-Mail zervita-presse@kilian.de oder Telefon 0 64 21-29 31 73).
