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Gebärmutterhalskrebs: 6.500 Neuerkrankungen,
1.700 Todesfälle jährlich

Früherkennung und Impfung bieten wirkungsvolle Vorbeugung

ZERVITA, Marburg, 5. September 2007

Bei keiner anderen Krebsart sind die Heilungschancen so hoch wie bei Gebärmutterhalskrebs – wenn er früh erkannt wird! Und das ist relativ einfach. Aber zu wenige Frauen nutzen die Möglichkeit der kostenlosen Früherkennung. Die Folge: 6.500 Neuerkrankungen und mehr als 1.700 Todesfälle jährlich.

Das entspricht nach den Daten der Dachdokumentation Krebs am Robert Koch-Institut (RKI) einem Anteil von 3,2 Prozent an allen Krebserkrankungen und 1,8 Prozent an allen Krebssterbefällen bei Frauen. Die Erkrankungshäufigkeit hängt stark vom Alter ab: Ein erster Häufigkeitsgipfel findet sich bereits bei Frauen zwischen 35 und 55 Jahren – im Vergleich zu anderen Krebsarten ein sehr frühes Erkrankungsalter. Ein zweiter Anstieg tritt im fortgeschrittenen Alter auf.

Gebärmutterhalskrebs - Früherkennung

Gebärmutterhalskrebs gehört zu den wenigen Krebsarten, die man schon im Vor- und Frühstadium feststellen und dann erfolgreich behandeln und heilen kann. Aber nur jede zweite Frau nutzt die Möglichkeit der Früherkennung. Und das, obwohl in Deutschland alle Frauen ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich Anspruch auf eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung haben. Die Untersuchung, der so genannte Pap-Test, ist einfach und schmerzlos: Der Frauenarzt entnimmt einen Zellabstrich vom Muttermund und vom Gebärmutterhalskanal, der in einem spezialisierten Labor auf mögliche Krebsvorstufen hin untersucht wird (Pap-Test). So können gefährliche Zellveränderungen frühzeitig erkannt und dann mit einem wenig belastenden Eingriff dauerhaft entfernt werden.

Gesetzliches Krebsfrüherkennungsprogramm

Seit der Einführung des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms im Jahr 1971 hat die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs in Deutschland um etwa zwei Drittel abgenommen. Im europäischen Vergleich ist die Erkrankungsrate allerdings immer noch relativ hoch: Schätzungen bewegen sich zwischen 10 und 13 Fällen pro 100.000 Frauen jährlich.

„Ein organisiertes kostenloses Früherkennungsprogramm mit einer gezielten Einladung der Frauen in die Praxen der niedergelassenen Frauenärzte und mit festgelegten Qualitätskriterien, wie es in den meisten anderen europäischen Ländern etabliert ist, könnte in Deutschland die Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle noch weiter senken“, sagt der Tübinger Virologe Professor Thomas Iftner, Sprecher der Projektgruppe ZERVITA*. Verschiedene Studien und die Praxis beispielsweise in Finnland und Schweden belegen, dass organisierte Früherkennungsuntersuchungen mit dem Pap-Test die Zahl der Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs um 80 Prozent und mehr senken können. In Ländern, in denen die Abstrichuntersuchung zuvor unsystematisch („opportunistisch“) durchgeführt wurde, zeigte sich nach Einführung organisierter Reihenuntersuchungen (Screening) mit dem Pap-Test ein weiterer deutlicher Rückgang der Erkrankungshäufigkeit.

Auslöser - Humane Papillomviren (HPV)

Auslöser von Gebärmutterhalskrebs sind bestimmte Typen Humaner Papillomviren (HPV), die in der Regel durch sexuellen Kontakt schon in jungen Jahren übertragen werden und Schleimhautzellen am Gebärmutterhals befallen. Etwa sieben von zehn Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Meist bleibt die Infektion unbemerkt und verschwindet in der Mehrzahl der Fälle innerhalb von 6 bis längstens 24 Monaten wieder. Bekämpft das Immunsystem das Virus aber nicht erfolgreich und bleiben Infektionen mit so genannten Hochrisikotypen dieser Viren anhaltend bestehen, kann sich auf dem Weg über Vorstufen im Lauf von meist vielen Jahren Gebärmutterhalskrebs entwickeln.

Vorbeugende Impfung gegen HPV

HPV-Impfung Zervita

Mittlerweile ist eine vorbeugende Impfung gegen die Hochrisikotypen HPV 16 und HPV 18 möglich, die zusammen für etwa 70 Prozent der Erkrankungsfälle verantwortlich sind.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hat im März eine Empfehlung für die generelle Impfung aller Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren ausgesprochen. Am sinnvollsten ist die Impfung bereits vor dem ersten sexuellen Kontakt. Auch Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren und Frauen, die innerhalb der Altersempfehlung der STIKO keine Impfung erhalten haben, können nach vorheriger Beratung durch den Arzt geimpft werden. Die Kosten der über 6 Monate verteilten drei Impfstoffinjektionen, die sich auf rund 465 Euro belaufen, werden in der Regel von allen Krankenkassen übernommen.
„Die vorbeugende Impfung bietet eine zusätzliche Chance, die Zahl der Neuerkrankungen zu senken, kann aber die Abstrichuntersuchung keinesfalls ersetzen, weil etwa 30 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs von anderen HPV-Typen verursacht werden“, erklärt Iftner. Nicht sinnvoll und nicht wirksam ist Impfung mit dem Ziel, bereits vorhandene HPV-bedingte Zellveränderungen zu behandeln.

Die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge hat nun zwei wesentliche Säulen: die jährliche, kostenlose Abstrichuntersuchung (Pap-Test) zur Erkennung von Zellveränderungen und die vorbeugende Impfung gegen HPV 16 und 18, den Hauptverursachern von Gebärmutterhalskrebs.

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