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Gebärmutterhalskrebs: Noch immer nehmen zu wenige Frauen die Vorsorgeuntersuchungen wahr

30.1.2007

 

Experten gaben in Tübingen im Rahmen der europäischen Präventionswoche gegen Gebärmutterhalskrebs Hintergrundinformationen.

hier können Sie sich Filme der Veranstaltung ansehen

Tübingen. „Gebärmutterhalskrebs – Früherkennung und Vorbeugung –so der Titel der Informationsveranstaltung, zu der die Expertengruppe ZERVITA am 22. Januar nach Tübingen eingeladen hatte. Namhafte Referenten sprachen dabei über wichtige Aspekte dieser Krebsart und standen dem zahlreichen Publikum Rede und Antwort.


In Deutschland erkranken jährlich rund 6.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs; fast 1.700 sterben daran. Die Projektgruppe ZERVITA ist eine Expertengremium aus Vertretern von Fachgesellschaften, Berufsverbänden, Forschungsinstitutionen und Krebsorganisationen und möchte Öffentlichkeit und Fachkreise objektiv und fundiert über Gebärmutterhalskrebs, Früherkennungs- und Vorbeugemaßnahmen informieren.

Prof. Thomas Iftner, Virologe am Universitätsklinikums Tübingen sowie Initiator und Vorsitzender der Projektgruppe ZERVITA, referierte über die Entstehung des Zervixkarzinoms: Die Erkrankung wird durch bestimmte Typen von humanen Papillomviren (HPV) verursacht. Diese sind weit verbreitet und werden hauptsächlich auf sexuellem Wege übertragen. Etwa zwei Drittel aller Frauen und Männer kommen im Laufe ihres Lebens mit diesen Viren in Kontakt, so Prof. Iftner. Meist bekämpfe das Immunsystem eine Infektion erfolgreich, in wenigen Fällen aber komme es bei andauernder Infektion zu Zellveränderungen am Gebärmutterhals (Krebsvorstufen) und bei einem kleinen Prozentsatz der Betroffenen zu Gebärmutterhalskrebs.

Krebsvorsorgeuntersuchungen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Auftreten dieser Krebserkrankungen und die Sterblichkeit daran zu verringern, machten Dr. Sara Brucker, Oberärztin an der Frauenklinik Tübingen und gynäkologische Leiterin des Instituts für Frauengesundheit Baden-Württemberg, und Dr. Volker Heinecke, Frauenarzt in Bad Urach, deutlich. Mit dem so genannten Pap-Test - der Abnahme eines Zellabstrichs mit anschließender zytologischer Untersuchung - können Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses aufgespürt werden, die relativ einfach behandelt werden können. Seit Einführung des Pap-Tests sei der Gebärmutterhalskrebs in Deutschland massiv zurückgegangen, ein Verdienst der Frauen die zur Vorsorgeuntersuchungen gegangen sind. Durch Erhöhung der Teilnahmerate könne die Zahl der Erkrankungen noch weiter gesenkt werden, denn derzeit nehme nur jede zweite Frau in Deutschland die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr.

Hoffnung im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs geben neue Impfstoffe gegen HPV. Sie ermöglichen es erstmals, einer Krebserkrankung durch eine Impfung vorzubeugen, erklärte PD Dr. Andreas Kaufmann, Laborleiter der Gynäkologischen Tumorimmunologie an der Klinik für Gynäkologie der Charité Berlin. Die neuen Impfstoffe schützen vor einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18, die für rund 70 Prozent aller Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind, so Kaufmann. Am sinnvollsten sei eine Impfung von Jugendlichen vor den ersten sexuellen Kontakten, sagte Dr. Kaufmann.
Die Impfung ersetze jedoch keinesfalls die Vorsorgeuntersuchung, denn sie schützt nicht vor allen HPV-Typen.

Prof. Karl-Ulrich Petry, Leiter der Frauenklinik in Wolfsburg, betonte ,dass auch viele leichte und mäßige Vorstufen spontan ausheilen können. Deshalb kann es sein, dass der Arzt zunächst dazu rät, abzuwarten und zu beobachten. Eine Operation am Gebärmutterhals könne auch mit Risiken verbunden sein, wie zum Beispiel einem erhöhten Risiko für Frühgeburten. Deshalb sei eine genaue Diagnosestellung wichtig, bevor man sich zu einer Operation entschließt. Vorstufen schweren Grades müssten dagegen operativ behandelt werden, um die Entstehung von Krebs zu verhindern.

Die Projektgruppe ZERVITA, gegründet 2006 in Tübingen, ist ein Expertengremium aus Vertretern von Fachgesellschaften, Berufsverbänden, Forschungsinstitutionen und Krebsorganisationen und hat sich zum Ziel gesetzt, Öffentlichkeit und Fachkreise objektiv und fundiert über Gebärmutterhalskrebs, Früherkennungs- und Vorbeugemaßnahmen zu informieren.

Zervita - Informationsveranstaltung (22.01.07, Tübingen), Programm und Informationen zu den Sprechern

Zervita - Informationsveranstaltung (22.01.07, Tübingen), Webcast der Veranstaltung


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