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HPV-Test: der molekulare Nachweis von Papillomviren

Neue molekulare Tests können nachweisen, ob Zellen des Gebärmutterhalses mit Humanen Papillomviren (HPV) infiziert sind. Die Tests weisen das Erbgut (DNS) der Viren nach. Auch für diese Untersuchungen werden Zellproben mithilfe eines Abstrichs gewonnen.

Die molekularen Verfahren identifizieren einen Befall mit Papillomviren sehr zuverlässig. Fällt der Test auf HPV positiv aus – lässt sich das Erbgut der Viren also in Zellen der Gebärmutterhalsschleimhaut nachweisen – bedeutet dies, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung eine Infektion mit Humanen Papillomviren besteht. Eine Aussage darüber, ob es sich um eine vorübergehende (und damit harmlose) oder um eine anhaltend bestehende (und damit unter Umständen bedenklichere) Infektion handelt, lässt ein einmaliger Test nicht zu. Er muss deshalb in der Regel nach zwölf bis 18 Monaten wiederholt werden. Ein einmalig positiver HPV-Test sagt auch nichts darüber aus, ob eine Vorstufe oder Krebs vorliegen – er weist lediglich die Virus-Infektion nach.

Dauer der Infektion und Virustyp

Infektionen mit Papillomviren sind sehr häufig. Die meisten Frauen und Männer stecken sich im Laufe ihres Lebens mit HPV an, sofern sie nicht völlig enthaltsam leben. Bei den meisten heilt die Infektion jedoch aus und bleibt folgenlos. Wenn sich bestimmte Typen der Papillomviren (Hochrisikotypen) dauerhaft in menschlichen Zellen einnisten, kann auf diesem Weg über Vorstufen Krebs entstehen. Die chronische Infektion mit ein und demselben Hochrisikotyp ist der Risikofaktor für das Entstehen von Gebärmutterhalskrebs.

Hat ein HPV-Test eine Infektion mit Hochrisikotypen nachgewiesen, heißt das nicht zwangsläufig, dass sich Krebs entwickeln wird. Es bedeutet lediglich, dass das Risiko statistisch erhöht ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Frau, die anhaltend mit einem Hochrisikovirustyp infiziert ist, innerhalb von zehn Jahren höhergradige Gewebeveränderungen (CIN 3) entstehen, wird in der Fachliteratur mit Werten zwischen 13 und 50 Prozent angegeben – also in 13 bis 50 von 100 Fällen.

Wann ist ein HPV-Test sinnvoll?

Die S2k-Leitlinie der DGGG 2008 bewerten einen Test auf Humane Papillomviren derzeit als sinnvoll:

  • wenn ein zytologischer Test (Pap-Test) leichte oder mäßige Veränderungen (Pap IIw, Pap III / IIID) erbracht hat, die einer zusätzlichen Abklärung bedürfen. Bei positivem Nachweis von High-risk-HPV-DNA sollte der Abstrichbefund alle 6 Monate kontrolliert werden und eine weitere Abklärung mittels Kolposkopie erfolgen.
     
  • wenn eine Krebsvorstufe behandelt wurde (zum Beispiel durch Konisation) und festgestellt werden soll, ob die Behandlung erfolgreich war. Hintergrund: Wurde das verdächtige Gewebe vollständig entfernt, ist es sehr wahrscheinlich, dass für die Frauen keine Gefahr mehr besteht, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Bei zehn bis 15 Prozent der Patientinnen werden jedoch auch nach der Konisation weiterhin oder erneut auffällige Befunde festgestellt. Der HPV-Test kann helfen, diejenigen Frauen herauszufinden, die weiterhin oder erneut infiziert sind und deshalb besonders sorgfältig nachuntersucht werden sollten.
     
  • als Ergänzung zum herkömmlichen Pap-Test im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung bei Frauen über 30 Jahren.

Nicht sinnvoll ist ein HPV-Test,

  • wenn die zytologische Untersuchung (Pap-Test) bereits hochgradige zelluläre Veränderungen ( Pap IV und V) festgestellt hat. Dieser Befund gilt als eindeutig.
     
  • wenn eine Frau jünger als 30 Jahre und zytologisch unauffällig ist. Hintergrund: Eine Infektion mit HPV in jungen Jahren ist sehr häufig. In der Regel handelt es sich dabei um eine vorübergehende Infektion, die vom Immunsystem erfolgreich bekämpft wird und von selbst wieder verschwindet. Ein HPV-Test im Rahmen der regulären Vorsorge würde in dieser Altersgruppe zu viele vorübergehende Infektionen finden, die wahrscheinlich kein Erkrankungsrisiko bergen, stattdessen aber psychische Belastungen verursachen und unnötige Untersuchungen nach sich ziehen.
     
  • vor einer HPV-Impfung: der Test wird hier derzeit nicht empfohlen.
    Auch bei positivem Testergebnis liegt nur in seltenen Fällen eine Infektion mit allen im Impfstoff enthaltenen HPV-Genotypen vor. Eine Impfung kann in diesem Fall sinnvoll sein, um die Infektion mit anderen HPV-Genotypen zu verhindern.

Übersicht Kostenerstattung HPV-Test

Im Rahmen der jährlichen Krebsvorsorge kann der Frauenarzt gesetzlich versicherten Frauen den HPV-Test bisher nur als Wunschleistung (individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL) anbieten.
Die Testkosten (ca. 50 bis 95 Euro) muss die Patientin in diesem Fall selbst bezahlen. Private Krankenkassen übernehmen in der Regel in der Routine-Früherkennung die Kosten für den HPV-Test.

Bei Vorliegen eines auffälligen Befundes im Pap-Abstrich und bei der Tumornachsorge tragen auch die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den HPV-Test.

HPV-Test in Kürze

  • Der HPV-Test kann feststellen, ob eine Frau mit Viren aus der Hochrisikogruppe infiziert ist. Bei infizierten Frauen ist es wahrscheinlicher, dass sich Veränderungen des Gebärmutterhalses, die zu einer Krebsvorstufe oder Krebs führen könnten, entwickeln oder bereits vorliegen.

HPV-Test & Pap-Test kombiniert

  • Studien sprechen dafür, den herkömmlichen zytologischen Test (Pap-Test) mit einem HPV-Test zu kombinieren. Zusammen bieten beide Tests bei unauffälligem Ergebnis eine fast 100-prozentige Sicherheit, dass keine höhergradige Gewebeveränderung und kein Gebärmutterhalskrebs vorliegt und in den folgenden sechs Jahren auch nicht auftreten wird.