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Zielgruppe der HPV-Impfung

Weil HPV-Infektionen so häufig sind und die meisten Menschen schon bei den ersten sexuellen Kontakten mit diesen Viren infiziert werden (Winter 2003), liegt der beste Zeitpunkt für die HPV-Impfung vor dem Beginn der sexuellen Aktivität.

Deshalb richtet sich die vorbeugende HPV-Impfung vorrangig an Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Sie sind noch nicht mit den hauptsächlich sexuell übertragenen Hochrisiko-HPV-Typen infiziert.

Impfempfehlung für die HPV-Impfung

Die ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat Ende August 2014 die Empfehlung für eine generelle HPV-Impfung aller Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren gegen humane Papillomviren (Typen 16, 18) ausgesprochen (Robert-Koch-Institut 2014). Damit wird die bisher geltende Empfehlung von 2007 ersetzt.
Bis spätestens zum vollendeten 18. Lebensjahr können versäumte Impfungen nachgeholt werden.

Die HPV-Impfempfehlung für diese Zielgruppe beruht zum einen auf den Ergebnissen der Studien zu den Impfstoffen (Harper et al 2006, Koutsky et al 2005, Mao et al 2006, Saslow et al 2007, Sattler et al 2005, Villa et al 2005, Villa et al 2006) sowie auf Daten zum Sexualverhalten von Mädchen und jungen Frauen in Deutschland (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2006). Da die meisten Mädchen über 18 bereits sexuelle Kontakte haben und bereits infiziert sein könnten, wurde die obere Altersgrenze für die generelle Impfempfehlung hier gesetzt.

Frauen, die innerhalb des von der STIKO empfohlenen Zeitraums keine Impfung gegen HPV erhalten haben, können nach individueller Beratung auf der Basis der Impfstoffzulassung dennoch geimpft werden.

Die ständige Impfkommission (STIKO)

  • Die STIKO bewertet Nutzen und Risiken von Impfstoffen und erteilt je nach Sachlage bundesweit Empfehlungen für deren Einsatz.
  • Die STIKO empfiehlt ab sofort die HPV-Impfung für alle Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren - nicht mehr wie bisher empfohlen für Mädchen mit 12 bis 17 Jahren. Bis spätestens zum vollendeten 18. Lebensjahr können versäumte Impfungen nachgeholt werden. Über dieses Alter hinaus liegt eine Impfung in der Entscheidung der Frau und des Arztes.
    (Epidemiologisches Bulletin Nr. 34 / 25. August 2014)

Optimaler Impfschutz der HPV-Impfung

Mädchen sollten am besten vor dem ersten sexuellen Kontakt geimpft werden, denn der Impfschutz ist am besten, wenn noch keine Infektion mit HPV-Impftypen 16 und 18 sowie – wie im Fall von Gardasil – zusätzlich HPV 6 und 11 stattgefunden hat. Für einen optimalen Impfschutz sind altersabhängig zwei bis drei Injektionen des Impfstoffs innerhalb von sechs Monaten erforderlich.

Ab einem Alter von 14 Jahre (Gardasil) bzw. 15 Jahre (Cervarix) erfolgt die Grundimmunisierung durch drei Impfdosen innerhalb von sechs Monaten (Monate 0-1-6 bei Cervarix, Monate 0-2-6 bei Gardasil).
Für Kinder von neun bis 13 Jahre (Gardasil) bzw. 14 Jahre (Cervarix) ist seit Anfang 2014 ein zwei-Dosen-Schema zugelassen, wobei sechs Monate nach der Erstinjektion das zweite Mal geimpft wird.

Ein HPV-Test vor der HPV-Impfung wird nicht empfohlen.

HPV-Test vor der Impfung?

Ein HPV-Test vor der HPV-Impfung ist nicht sinnvoll und wird nicht empfohlen. Der HPV-Test (Hybrid Capture 2, HC2) weist zwar nach, ob eine Infektion mit einem (oder mehreren) Hochrisiko-HPV-Typen vorliegt, macht aber keine Aussage dazu, ob dies HPV 16 und/oder HPV 18 (oder ein anderer Hochrisiko-HPV-Typ) ist: Der Test kann einzelne Virustypen nicht unterscheiden. Ein positives Testergebnis ohne Typenspezifizierung kann im Hinblick auf die Zweckmäßigkeit der Impfung nicht interpretiert werden. Da einen Doppelinfektion mit HPV 16 und 18 aber sehr selten ist, schützt die Impfung immer noch gegen Infektion mit dem jeweils anderen HPV-Typ. Zudem sind HPV-Infektionen bei jungen Frauen sehr häufig und überwiegend nur kurz andauernd, so dass sich der „Infektionsstatus“ von heute auf morgen ändern kann (Saslow et al. 2007).

  

  

Reinfektionsschutz durch die HPV-Impfung

Frauen, die eine Infektion mit einem oder beiden der "Impftypen" HPV 16 und 18 überwunden haben, können aber möglicherweise auch von der HPV-Impfung profitieren: zum Schutz vor einer Neuinfektion (Lowy u. Schiller 2006). Eine solche Neuinfektion ist möglich, weil die durchgemachte natürliche HPV-Infektion in der Regel keinen sicheren, langanhaltenden und belastbaren Schutz bewirkt. Nur die Impfung gewährleistet die Bildung ausreichend hoher Antikörperspiegel.

Nachgewiesenermaßen nicht wirksam ist die HPV-Impfung mit dem Ziel, bereits vorhandene HPV-bedingte Zellveränderungen zu behandeln. Der Verlauf einer bestehenden Infektion mit den "Impfviren" wird durch die Impfung nicht beeinflusst (EMEA: Produktinformation Gardasil®, EMEA: Produktinformation Cervarix®, Hildesheim et al. 2007).

HPV-Impfung für Jungen?

In randomisierten kontrollierten Studien konnte die Wirksamkeit gegen Genitalwarzen und Vorstufen des Analkarzinoms bei Jungen durch die Impfung gezeigt werden (Giuliano et al. 2011). Daten aus Australien zeigen, dass die HPV-Impfung auch bezogen auf den sogenannten Herdenschutz sehr effektiv ist: Ungeimpfte Personen, die sexuelle Kontakte zu geimpften Personen haben, sind ebenfalls geschützt, da keine Übertragung stattfinden kann. Infektionsketten werden so unterbrochen.
Bei Männern, die Sex mit Männern haben, ist Analkrebs fast so häufig wie Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Die Impfung schützt auch hier nachweislich vor den HPV-assoziierten Krebserkrankungen (Lawton et al. 2013)

Auch ohne vorliegende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) kann man Jungen gegen HPV impfen lassen.

Statement: HPV-Impfung für Jungen (30.01.2017)

Urologen empfehlen HPV-Impfung für Jungen (Urologenportal 2016)